
Vom Elfenbeinturm hinab in die Sümpfe des Lebens. Forscht die Forschung umsonst?
L. Tebartz van Elst | Universitätsklinikum Freiburg; Universitätsklinikum Frankfurt
Kurzbeschreibung des Vortrages
In diesem Beitrag soll die Situation der klinischen Suchtforschung in ihrem spannungsreichen Verhältnis zur Versorgungsrealität im alltäglichen Leben thematisiert und analysiert werden.
Zunächst sollen die lebensweltlichen Realitäten der forschenden Menschen hoch oben auf dem schon im hohen Lied besungenen Elfenbeinturm der Forschung verglichen werden mit denen des Volkes, welches in den sumpfigen Niederungen alltäglichen Leids abhängige Menschen versorgt. Kann es eine vernünftige Kommunikation geben oder sind die Gegenstände der Arbeit fundamental andere? Kann eine bedeutungsvolle Übersetzung von hoffnungsloser Sinnleere und Ambivalenz süchtiger Menschen in ihrem alltäglichen Konsumverhalten hin zu genetischen Polimorphismen oder Rezeptorbindungspotentialen des Nucleus accumbens gelingen? Oder ist der Graben zwischen diesen Perspektiven notwendig unüberbrückbar?
Der Blick durchs Fernglas zeigt, dass dieser Brückenschlag letztendlich immer eine Utopie bleiben wird. Die notwendig reduktionistischen Modelle empirischer Wissenschaft lassen alle mühsamen Versuche, eine fruchtbare Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Lebenswelten zu begründen, letztendlich immer scheitern!
Oder sollte das Fernglas gedreht werden? Dann lassen sich durch den analytischen Blick auf kleine Details eines komplexes Bildes möglicherweise doch Aspekte finden, die der sinnorientierten Wahrnehmung des Alltags entgehen?